Quo Vadis Team Germany Ü60?

Do. 25.10.2012 - 00:00 -- Dr Albert-Hugo Stinnes
Altersgruppen: 

Die WGMA-Weltmeisterschaft 2012 liegt hinter uns; über die Ergebnisse ist berichtet worden. Wenn wir auch mit dem Leistungsniveau der „Großen Vier“ (Australien, England, Holland und Deutschland) nach wie vor mithalten können, so sind wir dennoch nicht zufrieden; seit Leverkusen 2006 fehlt uns nun zum dritten Mal in Folge ein Weltmeistertitel für eine unserer inzwischen drei Mannschaften.

Unsere Ü65-Mannschaft war ganz nah dran und hat Oxford als Vize-Weltmeister verlassen – fürwahr eine großartige Leistung unter neun Wettbewerbern und bei dem Verletzungspech schon vor und erst recht während des Turniers.

Bekanntlich ist „nach dem Spiel auch schon wieder vor dem Spiel“, und so gilt es eigentlich auch jetzt schon die Weichen zu stellen für die nächsten internationalen Herausforderungen, die Europa-Meisterschaft 2013 in Belgien und die
Weltmeisterschaft 2014 in Holland.

Und so ist es auch erfreulich festzustellen, dass sich neben den Ü60-Verantwortlichen eine Gruppe von jüngeren Mitgliedern unserer Vereinigung Gedanken darüber macht, was man zukünftig verbessern sollte.

Beginnen wir mit der Analyse. Unsere wichtigsten sportlichen Defizite haben wir in vier Bereichen ausgemacht:

  • Ausreichende Anzahl qualifizierter Spieler
  • Engagierte und erfahrene Trainer
  • Regelmäßiger regionaler Spielbetrieb
  • Individuelle Fitness der Auswahlspieler

Wenn unsere Vereinigung auch inzwischen über fast 90 aktive Spieler verfügt, so zeigt sich doch, dass deren qualitative Verteilung über die drei Altersgruppen ungleich ist. So sind die Kader bei den beiden älteren Altersgruppen durch „automatische Übergänge“ mit Erreichen der Altersgrenze inzwischen so groß, dass wir hier wirklich die Möglichkeit haben, eine qualitative Auswahl treffen zu können, ohne dass die nicht zu einem A-Kader gehörenden Spieler auf ihre sportliche Betätigung – dann eben in einer B-Mannschaft – verzichten müssen; wir wollen weiterhin Breitensport betreiben, aus dem sich eine Auswahlmannschaft herauskristallisiert.

Probleme eine demnächst auf Weltniveau mitspielende Mannschaft gebildet zu bekommen, haben wir bei unserer Ü60-Mannschaft. Leider wird im kommenden Jahr aus der Ü55-Mannschaft nur ein Spieler zu uns kommen, während 12 Spieler in die Ü65-Mannschaft wechseln werden.

Es ist unsere Überzeugung, dass wir dieses „Nachwuchsproblem“ nur durch den engagierten Einsatz aller unserer Mitglieder lösen können, indem wir unsere Bekannten aus der ehemals aktiven Zeit ansprechen, indem wir in die Vereine und Verbände gehen, indem wir „Bierrunden“ und Veteranen-Turniere besuchen und indem auch unser Verband über sein Breitensportreferat stetig für uns wirbt.

Von zunehmender Bedeutung ist die Existenz engagierter und erfahrener Trainer. In den Gründerjahren unserer Bewegung mit nur ein oder später zwei Mannschaften ist es bisher immer gelungen, den „Idealisten“ zu finden, der sich um uns gekümmert hat. Heute benötigen wir den erfahrenen Profi, für den die Beschäftigung mit den Veteranen nicht nur einer Herausforderung darstellt, der aber auch mindestens den Ersatz der ihm entstehenden Aufwendungen erwartet.

Und nach aktuellen Stand benötigen wir nicht nur einen Trainer, denn heute kann sich lediglich die Ü70-Mannschaft glücklich schätzen, über einen alten Hasen zu verfügen, der seine ganze internationale Erfahrung einbringt, seinen Kader von über 30 Spielern gezielt auf die nächsten Wettbewerbe vorzubereiten.

Glücklicherweise benötigen wir keine „Fulltime-Trainer“; leider können wir die Spieler – schon aus beruflichen und familiären Gründen – gar nicht häufiger als an drei oder vier Wochenenden im Jahr zusammenziehen; dazu kommt dann in jedem Jahr ein Turnier, dass meist 8 bis 10 Tage dauert. Unser Anforderungsprofil wäre ideal für einen „pensionierten“ Trainer, der neben der Jugendarbeit im Verein oder dem inzwischen aufgenommenen Golfspiel den Kontakt zu seiner „Altersklasse“ auf internationaler Ebene nicht verlieren möchte.

Auch bei Trainersuche sind wir wieder auf uns gestellt; hier aber kann auch unser Verband für unser Anliegen werben und Kontakte herstellen.

Und wenn Spieler und Trainer vorhanden sind, ist der in unserem Land leider nicht Flächen deckende Spielbetrieb für die Generation 60+ die weitere Aufgabe, uns fit zu machen; nur wenn wir uns laufend Hockey spielend betätigen, kommen wir zu stabilen Leistungen. Und gerade bei der Lösung dieses Problems erwarten wir einiges von unserem Verband; Eigeninitiative einzelner in den Regionen hilft; aber das große Ganze sollte eigentlich von unserem Verband unter Einbeziehung der Landesverbände organisiert werden.

Hier empfiehlt sich auch ein Blick über die Landesgrenze hinaus. Wie machen es unsere Wettbewerber in Australien, England und Holland? So treffen sich ca. 300 unserer holländischen Freunde, der „SeszigPlussers“, alle drei Wochen in einem anderen Ort, um in immer wieder anderer Zusammensetzung gemeinsam miteinander zu spielen; hieraus kristallisieren sich dann die Auswahlmannschaften. Gewiss, Holland ist geographisch kleiner als unser Land und Hockey ist dort auch populärer als bei uns; aber beginnen – und wenn auf regionaler Basis – müsste man bei uns auch einmal; es kann dann nur besser werden. Und vielleicht lassen sich so auch wieder einige „Golfer“ für die Hockey-Familie zurückgewinnen.

Schließlich bleibt das, was jeder individuell zur Verbesserung seiner Leistung beitragen kann; Hockey spielen allein – und wenn es einmal im Monat ist – reicht nämlich nicht aus, erfolgreich im internationalen Konzert mitzuhalten.

Wie analysierte Horst Ruoss, ein nun wirklich erfahrenes Trainer-Urgestein, von seiner WM in Canterbury: „Deshalb ist die Eigenverantwortung und der Wille, sich konditionell und hockeytechnisch auf solche Events vorzubereiten, sehr wichtig. Das ist nicht allen Spielern gelungen und dadurch steigt auch die Verletzungsgefahr bei hoher Belastung. Sechs Spiele in sieben Tagen ist wirklich eine große Anstrengung.“

Oder wie hat es Uli Brauns, Ü60-Weltmeister 2006 und Ü65-Vize-Weltmeister 2012, ausgedrückt: „Wer nicht bereit ist, wenigsten ein halbes Jahr vorher intensiv für die Events altersgemäß hart zu trainieren, der wird den Teams nicht weiterhelfen.Aber genau diese Notwendigkeit der knallharten physischen Vorbereitung wird gerne mit viel Gerede über Taktik, Zusammenspiel, gutes Klima, nette Bierabende , etc. aus Motiven der Bequemlichkeit verwässert!“

Diesen Analysen ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Neben den skizzierten Maßnahmen kann man selbstverständlich auch über strukturelle Verbesserungen nachdenken, die aber stets dem Ziel untergeordnet sein müssen, unsere sportlichen Ziele zu optimieren.

Die Anfang Dezember bevorstehende Mitgliederversammlung unserer Vereinigung wird uns Gelegenheit bieten, wegweisende Entscheidungen über unseren sportlichen Weg und das ihn umsetzende Personal zu treffen. Es bleibt fürwahr spannend beim Team Germany Ü60.

Wer mehr über uns wissen will, der informiere sich über www.hockeyue60deutschland.com.

Dr. Albert-Hugo Stinnes
Filderstadt, den 25.10.2012