Alle Mannschaften auf dem Treppchen

Do. 30.09.2010 - 00:00 -- Dr Albert-Hugo Stinnes
Altersgruppen: 

Zuerst die gute Nachricht: beim am vergangenen Wochenende in Kapstadt zu Ende gegangenen World Cup – der offiziellen Weltmeisterschaft der Hockey-Veteranen – der World Grand Masters Association (WGMA) konnten die in drei Altersklassen (Ü60, Ü65 und Ü70) angetretenen deutschen Nationalmannschaften (Team Germany Ü60) jeweils einen Platz auf dem Treppchen erlangen; es war für alle drei Mannschaften der gleiche Platz: der Platz des Bronzemedaillen-Gewinners.

Nun aber auch die betrübliche Nachricht: trotz aller vorbereitenden Anstrengungen ist es nicht gelungen, eine Verbesserung gegenüber der letzten Weltmeisterschaft 2008 in Hongkong zu erreichen; England und Australien bleiben uns voraus, wobei die Dominanz der Engländer noch eindeutiger geworden ist; sie dominierten in allen drei Altersklassen; die Freunde aus Australien mussten sich jeweils mit der Silbermedaille zufrieden geben.

Vom 15. bis 24. September 2010 beteiligten sich 10 Nationen mit 18 Mannschaften an der alle zwei Jahre von der WGMA ausgeschriebenen Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr in Kapstadt (Südafrika) ausgetragen wurde. Abgerundet wurde das Turnier durch einen Wettbewerb weiterer 8 Mannschaften in einem Trophy Tournament.

Insgesamt wurden in 10 Tagen 84 Spiele nach den aktuellen FIH-Regeln und über die volle Spielzeit von 2 x 35 Minuten auf zwei modernen Kunstrasenplätzen des Hartleyvale Hockey Stadiums abgewickelt. Je nach Turniermodus mussten die Teilnehmer bis zu 7 Spiele austragen. Für die Spielleitung sorgte ein internationales Team aus 22 Schiedsrichtern aus 9 Nationen.

Das unter südafrikanischer Leitung perfekt organisierte Tournier wurde gesellschaftlich abgerundet durch ein Angebot an gemeinsamen Events sowie durch Ausflüge ans Kap der guten Hoffnung oder die umliegenden Winelands.

Wenn uns auch in diesem Jahr wieder nicht die erhoffte Endspielteilnahme gelungen ist, so dürfen wir doch feststellen, dass wir neben England und Australien zu den besten Nationen im Veteranen-Hockey gehören und die in Amstelveen in 2009 verlorene kontinentale Vormachtstellung in Europa wieder zurückerobert haben.

Ganz nah bei den führenden Nationen befindet sich bereits unsere Ü60-Mannschaft. Eine knappe Niederlage gegen England (0:1) und ein torloses Unentschieden gegen Australien sowie ein für uns unglücklicher Tourniermodus verwehrten der Mannschaft unter Trainer Carsten Fischbach (Neuss) den Eintritt ins Finale. Im Spiel um Platz 3 wurden die Neuseeländer, die sich erstmalig  am World Cup beteiligten und die Holländer aus dem Spitzenquartett verdrängten, sicher mit 4:2 besiegt.

Zwei knappe Niederlagen von 0:1 gegen England und Australien in den Gruppenspielen machten bei der Ü65-Mannschaft deutlich, dass in dieser Altersgruppe der Abstand zu den beiden „Spitzenreitern“ schon größer ist. Allerdings konnte die Mannschaft unter Trainer Werner Grefe (Hannover) im kleinen Finale unsere Nachbarn aus Holland, gegen die man im WHP im August noch mit 0:3 unterlegen war, sicher und verdient mit 4:1 besiegen.

Auch die Ü70-Mannschaft unter Trainer Kurt Layer (Heidelberg) musste sich der Übermacht der Engländer und Australier deutlich beugen. Insbesondere in dieser Altersgruppe wird man sich aber für die Zukunft die Frage gefallen lassen müssen, ob Spielern dieses Alters – mit Hans Brandes (Hannover) wurde mit 78 Jahren der älteste Spieler des Tourniers ausgezeichnet – wirklich 6 Spiele in 10 Tagen zugemutet werden kann.

Schließlich konnte auch unser B-Team innerhalb des Trophy Tournament in der Abschlusstabelle einen 3. Platz einnehmen. In diesem Team kommen bei uns wie bei den anderen Nationen alle diejenigen zum Einsatz, die für die Nationalmannschaft nicht nominiert werden konnten, denen man aber dennoch für ihren über eine ganze Saison gezeigten Trainingseinsatz eine Spielmöglichkeit auf internationaler Ebene geben möchte. Aufgrund des WGMA –Reglements können in diesem Wettbewerb auch bis zu zwei Spieler eingesetzt werden, die noch nicht 60 Jahre alt sind – wenn man sie denn hätte!

Und damit haben wir eine Problematik angeschnitten, die uns nicht unwesentlich von unseren vor uns liegenden Konkurrenten, aber auch von unseren Nachbarn aus Holland unterscheidet: unsere Spielerdecke ins einfach zu dünn! So verfügt Holland über 300 Spieler Ü60+ und in jedem Jahr kommen ca. 20 neue Spieler hinzu, aus denen man in einem regelmäßigen Trainings- und Spielbetrieb an Ende der Saison leistungsstarke Auswahlmannschaften formieren kann. Insbesondere der Unterbau fehlt bei uns. So werden wir im Team Germany Ü60 auf unserer Ende Oktober in Mannheim stattfinden Mitgliederversammlung nicht nur ein neues Präsidium zu wählen haben, sondern auch wichtige Weichenstellungen beschließen müssen, die zu einer quantitativen wie qualitativen Verstärkung unserer Kader in allen Altersgruppen führen müssen. Den Anspruch, beim nächsten World Cup 2012 in England wieder ganz oben mitzumischen, haben wir nämlich nicht aufgegeben! Wer uns hierbei helfen will, kann sich über unsere Website www.hockeyue60deutschland.com über uns informieren und sich mit uns in Verbindung setzen.

Dr. Albert-Hugo Stinnes