England ist eine Macht

Di. 15.09.2009 - 00:00 -- Dr Albert-Hugo Stinnes
Altersgruppen: 

Wie bei unseren deutschen Hockey-Herren so gewann England auch in der parallel in Amstelveen ausgetragenen Europameisterschaft der Hockey-Senioren den Titel in allen drei möglichen Altersklassen.

Aber der Reihe nach: eigentlich gut vorbereitet und erneut unterstützt von zahlreichen weiblichen Fans reiste unser Team Germany Ü60 nach Amstelveen, dem Hockey-Vorort der Grachtenstadt Amsterdam. Es gab keine Titel zu verteidigen, aber unsere vier Teams wollten besser abschneiden als zuletzt bei der Senioren-Weltmeisterschaft in Hongkong im Herbst des vergangenen Jahres.

Das Turnier in Amstelveen war organisiert von unseren Senioren-Freunden aus Holland; die „De Zestigplussers“ feierten ihr 20-jähriges Bestehen und hatten mit der Aktiven-EM und der wunderschönen Stadt Amsterdam einen attraktiven Rahmen geschaffen, der neben der eigenen sportlichen Betätigung auch europäischen Spitzensport auf höchstem Niveau in dem berühmten und wirklich benachbarten „Wagener“ Stadion sowie reichlich Kultur und Szenerie anbot.

Der enge sportliche Zeitplan mit 42 Spielen auf 4 Plätzen hat es den 22 teilnehmenden Mannschaften aber eigentlich nicht erlaubt, von dem reichlichen Kulturangebot Gebrauch zu machen. Vier Spiele (2 x 35 Minuten) in drei Tagen sind auch in unserem Alter eine nicht zu unterschätzende Anstrengung, wobei von unseren Ältesten im Team Ü70 sogar verlangt wurde, ihre vier Spiele in nur zwei Tagen zu absolvieren; man stelle sich vor, man würde diese Belastung Fußballprofis zumuten.

Und im übrigen wollten wir ja auch die schon in den früheren Jahren geschlossenen Bekanntschaften mit unseren Freunden aus England, Schottland, Wales, Belgien, Italien und Holland pflegen, wozu unser Gastgeber nicht nur für durchweg gutes Wetter, sondern auch für reichlich „Flüssiges“ gesorgt hatten. Sogar der amtierende Weltmeister Australien (Ü65) trug zur Globalisierung der geschlossenen Bande bei.

Unsere mitgereisten Ehefrauen hingegen hatten sich schnell mit Stadt- und Fahrplänen bewaffnet, um Grachtenfahrten, Stadt- und Museumsbesichtigungen - so gut es ging – zu unternehmen, selbst wenn dadurch bei dem einen oder anderen Spiel die deutsche „Fankurve“ nicht komplett besetzt war.

Hoher Besuch wurde den „De Zestigplussers“ während der drei Turniertage zuteil von einem Mitglied des Organisationskomitees des Südafrikanischen Hockeyverbandes, der von unserer Dachorganisation WGMA mit der Ausrichtung des Hockey World Cup 2010 im kommenden Jahr in Kapstadt beauftragt worden war. Sicherlich ist der „hohe Gast“ mit reichlichen Erkenntnissen wieder in die Heimat zurückgekehrt, wobei auch wir – wenn angesprochen – auf Optimierungspotential hingewiesen haben.

Gesellschaftlicher Höhepunkt war der vom Team Germany Ü60 organisierte „deutsche Abend“ in unserem Turnierhotel. Bei einem kalt-warmen Büfett und freien Getränken war unsere „Reisegruppe“ mit über 120 Personen fast ganz unter sich; lediglich die im selben Hotel wohnenden Freunde aus Wales hatten wir dazu gebeten. Mit Peter Child und Adrian Stevenson konnten wir auch President und Secretary der WGMA bei uns begrüßen; sie hatten unserem „German Get-together“ den Vorzug vor dem offiziellen Gala Diner des Veranstalters gegeben. Mannschaftsübergreifende Gespräche, mit Britta Braig, Justine Lunau-Mierke und den beiden Leiber-„Buben“ das „Dabeisein“ auch der jungen Generation sowie reichlich Wein und Bier erzeugten eine fröhliche Stimmung und sicherlich auch für die Festigung bereits bestehender Verbindungen.

Ja, und Hockey gespielt wurde natürlich auch, wenn auch eine Verbesserung gegenüber den vergangenen „Championships“ nicht vermeldet werden kann. Am besten schnitten noch die ältesten und die jüngsten Mannschaften ab. Sowohl die Senior Grand Masters (Ü70) als auch das Trophy Team belegten den 2. Platz hinter England und erhielten die Silbermedaille.

Die Grand Masters (Ü60) und die Great Grand Masters (Ü65) wurden in ihren Altersklassen jeweils Dritter hinter – na wem wohl, natürlich – England und dem Veranstalter Holland.

Gewonnen hat Deutschland aber trotzdem. Den Schönheitspreis für unsere neuen Trikots, die uns großzügig vom DHB überlassen worden waren, haben wir uns selbst zuerkannt. Und die Qualität der vier deutschen Schiedsrichter Stefan Behrens, Götz Müller-Wiedenhorn, Lars Reifschläger sowie Martin Symanowski, die allesamt auf Bundesliga-Niveau pfeifen, wurde von allen Konkurrenten und der holländischen Organisation erneut lobend hervorgehoben.

Ja und eine ganz neue Erkenntnis konnten wir auch gewinnen: unsere Jugend kann – wenn gut umgesetzt – auch unser Alter noch richtig „in Trab bringen“. Das immer ein wenig stiefmütterlich behandelte Trophy Team war auch in Holland wieder auf der Suche nach einem Coach und fand in Justine Lunau-Mierke das Beste, was ihnen für ihren sportlichen Auftritt passieren konnte. Die hockey-erfahrene Tochter von Arved Lunau-Mierke – selbst Mitglied des Trophy Teams – stellte die Jungs auch im Endspiel nicht nur blendend auf ihre englischen Gegner ein, sondern sorgte durch aufmunternde Zurufe vom Spielfeldrand aus auch dafür, dass jeder sich bis an seine physische Grenze einbrachte; und so wundert es auch nicht, dass unsere englischen Freunde ihr Siegtor erst in der Schlussminute erzielen konnten. Ist Justine ein Modell für die Zukunft?

Eine – in diesem Fall nicht ganz neue – Erkenntnis eines so kompakten Turniers hat wiederum gezeigt, dass in unserem Alter der körperlichen Vorbereitung eine sehr große Bedeutung zukommt, will man nicht durch unnötige Verletzungen – in jeder Mannschaft gab es einige Ausfälle - riskieren, entweder gar nicht oder nur geschwächt teilzunehmen. Hockey spielen können wir alle, und hier werden wir auch nichts mehr dazulernen. Aber durch eine systematisch erworbene Fitness im Vorfeld von Turnieren sind wir erst in der Lage, unser „Können“ auch gewinnbringend abzurufen.

Unser Unternehmen „Amstelveen“ war auch in diesem Jahr wieder glänzend vorbereitet und organisiert von unserem Manager Team Germany Ü60, Gerry Helfers aus Hannover. Selbstlos wie immer hat er uns die Arbeit mit dem Hotel, mit dem Transport, mit der Vertretung gegenüber dem Ausrichter sowie mit der Vorbereitung unseres „German Get-together“ abgenommen, und wo nötig nach den Spielen auch noch eilfertig den gerstenreichen Erfrischungstrunk herbeigeholt.

Und wie immer zum Schluss die Bemerkung: natürlich leben wir auch von unserem Nachwuchs und freuen uns deshalb auch schon heute, dass uns in der kommenden Saison Theo Zalder im Tor der Ü60 verstärken wird. Wer sonst noch interessiert ist, kann sich über unsere Internetseite www.hockeyue60deutschland.com informieren oder über unsere ihm bekannten Mitglieder mit uns Kontakt aufnehmen. Wir freuen uns auf jeden neuen Ü60er.