Ü60-Mannschaften auf dem Wege zur WM nach Oxford

Fr. 13.04.2012 - 00:00 -- Dr Albert-Hugo Stinnes
Altersgruppen: 

Wie auch die beiden aktiven Mannschaften der international immer noch erfolgreichsten deutschen Ballsportart so bereiten sich auch die Ü60-Mannschaften des DHB intensiv auf den diesjährigen Saisonhöhepunkt in England vor. Was für die Aktiven die Olympischen Spiele in London sind für uns Senioren die Weltmeisterschaft in Oxford; beide Highlights finden zeitlich hintereinander im August statt.

Anders als die Aktiven waren die Senioren allerdings zu Beginn des Jahres zunächst mit einem Problem konfrontiert: für zwei der drei Mannschaften galt es neue Trainer zu finden. Unsere Wunschtrainer hatten kurzfristig abgesagt oder standen erst gar nicht zur Verfügung. Da das Angebot für unsere Altersgruppen nicht gerade übermäßig und unser Etat zudem begrenzt ist, konnten wir letztlich diese ungeplante Situation nur praktikabel lösen: sowohl für die Ü60- als auch für die Ü65-Mannschaft hat mit Nico Giercke, Wolfgang Hillman und Dr. Hans-Werner Schrader bzw. Werner Beese und Ulrich Brauns jeweils ein „spielendes Trainer-Team“ die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung der Weltmeisterschaft in Oxford übernommen. Jedes Trainer-Team wird unterstützt durch einen Betreuer, der während der Spiele die Anweisungen der Trainer auf der Bank umsetzt und die Verbindung zur Turnierleitung aufrecht hält. Wir sind dankbar, dass wir in diesen beiden Mannschaften über so viel Trainer-Kompetenz und die Bereitschaft zur Umsetzung verfügen, dass eine solche Lösung machbar ist. Eine Dauerlösung kann und soll dies aber nicht sein.

Für die Ü70-Mannschaft steht auch in diesem Jahr wieder das bewährte Trainer-Team aus Dr. Heinrich Kruse und Kurt Layer zur Verfügung, das die Mannschaft schon bei der vorjährigen Europa-Meisterschaft im heimischen Neuss zur Silbermedaille geführt hat.

Die ersten Lehrgänge dieses WM-Jahres fanden in zeitlich unmittelbarer Folge in Hannover (Ü70) beim DTV Hannover und in Neuss (Ü60 und Ü65) beim HTC Schwarz-Weiß Neuss Ende März statt. Den „Machern“ in den beiden Vereinen „Didi“ Wolter und „Butz“ Paul sei auch auf diesem Wege gedankt für die großzügige Bereitstellung ihrer Anlagen.

Alle drei Altersgruppen waren in diesem Jahr dadurch gekennzeichnet, dass sie einen relativ starken Zuwachs an „jungen“ Spielern zu integrieren hatten. Naturgemäß stellen gerade die „jungen“ Spieler in den Altersgruppen Ü65 und Ü70 eine wesentliche Verstärkung dar, weil sie in fast allen Fällen schon über eine vieljährige Spielpraxis in den Ü-Mannschaften verfügen, was sich besonders im Zusammenspiel mit alten und neuen Kameraden zeigt.

So gehören 9 Spieler der heutigen Ü65-Mannschaft zur Ü60-Weltmeistermannschaft von Leverkusen aus 2006.

Aber auch aus dem Ü70-Kader waren einige Spieler schon Weltmeister in Kuala Lumpur (2002) und Athen (2004), was neben der Abstimmung auf dem Spielfeld auch einen positiven Beitrag zur Harmonie in der gesamten Mannschaft ausmacht.

Das Trainer-Team der Ü60-Mannschaft (Nico, Wolfgang und Hans-Werner) hat in diesem Jahr eine grundsätzlich andere – und naturgemäß weit schwierigere – Aufgabe. Hier gilt es, in kürzester Zeit bewährtes „Stammpersonal“ mit einer erstaunlich großen Zahl von neuen Spielern zusammenzuführen und daraus eine schlagkräftige Truppe zu formen. Dass dies nicht mit der ersten Trainingseinheit in Neuss zur Zufriedenheit gelungen ist, darf uns nicht wundern. Aus einer Kombination von zentralem Training, Spielpraxis mit leistungsstarken Gegnern und regionalem Spezialtraining will unser ehrgeiziges Trainer-Team aber bis Oxford eine Mannschaft „kreieren“, die nicht ohne Titelchancen zur Weltmeisterschaft anreist.

Für alle drei Ü-Mannschaften führt der Weg zum Erfolg in Oxford über das individuelle „Heimtraining“ jedes einzelnen, über zentrale Lehrgänge, Leistungsvergleiche mit spielstarken Mannschaften sowie die WGMA European Trophy Anfang Juni in Bra/Italien; je nah Größe der einzelnen Kader wird sich auch erst im Juli das endgültige Aufgebot für die drei Auswahlmannschaften des DHB herausschälen.

Und wie es bei uns – und übrigens auch bei allen anderen Nationen – üblich ist, werden alle diejenigen, die nun mal nicht zur ersten Garnitur gehören können, die Möglichkeit erhalten, innerhalb eines zeitgleich in Oxford ausgetragenen Trophy-Turniers ihre Fähigkeiten zu zeigen und sich damit vielleicht für die Zukunft zu empfehlen.

Natürlich lässt es sich auch bei uns nicht vermeiden, dass divergierende Meinungen über die Wege zum Erfolg bestehen. Mit diesen Diskussionen muss jetzt Schluss sein. Alles und jeder hat sich unterzuordnen und einzubringen in die gemeinsame Sache. Individual-Interessen müssen passé sein; es darf nur noch um das „Gemeinwohl“ gehen. Erfolg erreicht man auch durch Harmonie, und Harmonie erreicht man durch offene und ziel-orientierte Kommunikation sowie durch die Akzeptanz der Überlegungen Andersdenkender. Wer hier nicht kooperiert, beschädigt unser Image und beeinträchtigt unsere Möglichkeiten in Oxford.

Und unsere Chancen bei der Weltmeisterschaft auf obere Positionen auf der Erfolgsleiter sind nicht schlecht.

Die mit zahlreichen Neuzugängen bestückte Ü60-Mannschaft wird sich dank der hohen Kompetenz des Trainer-Teams in der weiteren Vorbereitung zusammenfinden und aufgrund der starken Verjüngung eine mit entscheidende Rolle bei der Vergabe der Medaillen unter elf teilnehmenden Nationen spielen.

Die Ü65-Mannschaft muss mit ihrer Kombination aus „Jugend“ und Erfahrung die Gegnerschaft von Australien und England sowie sechs weiteren Nationen nicht fürchten und darf – mit ein wenig Glück – vielleicht auch ganz oben auf dem Treppchen erwartet werden.

Und auch die Ü70-Mannschaft war wohl noch nie so stark wie in diesem WM-Jahr. Immerhin gilt es sich aber gegen sechs Nationen durchzusetzen – ein Projekt, das man schultern könnte, wenn Verletzungen, die natürlich auch die anderen Mannschaften treffen könnten, ausbleiben.

Unser Fazit kann deshalb nur lauten: lasst uns gemeinsam unsere Erfolgspotentiale ausschöpfen!

  

Filderstadt, den 13. April 2012