Nicht der Berg kommt zum Propheten

Mi. 20.03.2013 - 00:00 -- Thomas Rochlitz
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Thomas Rochlitz will den nationalen Spielbetrieb von Ü60-Spielern ankurbeln.

Spitze durch Breite. Das gilt im Hockey eigentlich für jedes Alter, soll jetzt aber verstärkt im Seniorenbereich seine Beachtung finden. Thomas Rochlitz, selber Ü65-Auswahlspieler und im vorigen Jahr mit der deutschen Mannschaft Vizeweltmeister geworden, hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben. Vor ein paar Wochen ist der Lüneburger in das Präsidium von „Ü60 Team Germany“ gewählt worden. In der Eigenorganisation deutscher Hockeyspieler im reiferen Alter ist Rochlitz nun für Mitgliedergewinnung und nationalen Spielbetrieb zuständig.

Mit Schwung und Tatendrang hat der Rechtsanwalt sein neues Ehrenamt begonnen. Erstes Projekt ist der Ü60 Regio-Cup, der an Karfreitag und Ostersamstag in Duisburg vier regionale Auswahlmannschaften zusammenbringen soll. „Die  West-Auswahl ist gut besetzt. Die Teams Nord, Ost und Süd sind mit je zehn Anmeldungen fast vollständig, so dass wir wohl wie geplant spielen können“, liefert Thomas Rochlitz einen Zwischenstand. Zumindest in abgespeckter Form wird die Premiere auf der Anlage des Club Raffelberg also über die Bühne gehen.

Dieser Regio-Cup soll künftig einer von mehreren Bausteinen sein, den nationalen Spielverkehr im Seniorenbereich in Schwung zu bringen. „Nur Leute zu gewinnen, ohne ihnen etwas zu bieten, geht nicht“, sagt Rochlitz. Nicht jeder Hockeywillige im fortgeschrittenen Alter findet im eigenen Club genügend Gleichgesinnte im ähnlichen Jahrgangsbereich vor. Thomas Rochlitz hat da eine recht komfortable Situation. In seinem HC Lüneburg, dem er seit genau zehn Jahren als 1. Vorsitzender vorsteht, treffen sich stets mittwochabends zwischen 14 und 18 Senioren zum gemeinsamen Training auf dem Platz, und regelmäßigen Spielkontakt findet das Lüneburger Team in der nahen Hockeyhochburg Hamburg.

Dort, wo die Masse fehlt, da müssen andere Hilfskonstruktionen her. Hannover ist da für Rochlitz „ein gutes Modell“. In der Leinestadt treffen sich seit Jahren immer am Samstagvormittag auf wechselnden Clubanlagen Seniorenspieler verschiedener Hockeyclubs aus Hannover, aber auch aus dem niedersächsischen Umfeld. „So wie am guten Beispiel Hannover könnte es auch woanders laufen, wenn entsprechende Anstöße gemacht und erste Strukturen geschaffen worden sind“, ist sich der 66-Jährige sicher. Doch genauso gut weiß Thomas Rochlitz, dass solche Strukturen nicht per Dekret oder durch Handauflegen oder gut gemeinte Appelle zu erreichen sind. „Das ist mir klar, dass das nicht reicht“, sagt Rochlitz und will „etwas investieren“. Damit gemeint ist zunächst einmal der höchstpersönliche Einsatz.

Der Rechtsanwalt plant, ab 1. April in den beruflichen Ruhestand übertreten zu können und dann entsprechend noch mehr Zeit ins Hockey stecken zu können. „Da der Berg meistens nicht zum Propheten kommt, kann es wohl nur umgekehrt funktionieren“, erklärt Rochlitz mit Schmunzeln sein Vorhaben, kreuz und quer durchs Land zu fahren. Im Norden ist er zu Hause, im Süden hat er seine Wurzeln. Zusammen mit dem zwei Jahre jüngeren Bruder Michael (in Hockeykreisen besser bekannt als „Spezi“ Rochlitz) begann Thomas beim HC Heidelberg mit seinem Sport, ehe es ihn nach dem Abitur nach Hamburg verschlug, wo er in seiner Aktivenzeit mit Großflottbek mal um den Bundesligaaufstieg spielte.


Unterstützen können Thomas Rochlitz bei diesem Vorhaben die Vereine: „Eigentlich müssen die Clubs gar nicht viel machen. Es würde uns reichen, eine Namensliste von Mitgliedern oder früheren Vereinsspielern im entsprechenden Alter zu bekommen.“ Mit Hilfe solcher Daten wollen er und die Regionalbeauftragten Thomas Reggelin (Osten), Gerd Schürfeld (Westen), Hans-Joachim „Leo“ Heinz (Süden), Werner Beese (Norden) und Dr. Hans-Werner Schrader (Hamburg) Kontakte knüpfen und somit ein Netzwerk aufbauen. Das kommt im Übrigen auch den Bemühungen des DHB entgegen. „Die Regionalisierung derÜ-Bewegung mit jeweiligen Ansprechpartnern wird dem Seniorenhockey mehrStruktur und einen weiteren Schub geben“, hält DHB-BreitensportreferentinMaren Boyé den Regio-Cup und weitere Pläne für „eine gute Sache“.

Irgendwann könnte dann auch der früher im deutschen Hockey legendäre Silberschild neu aufblühen. Als Idee eines Wettbewerbs regionaler Altseniorenmannschaften ist das inzwischen sogar schon Gesprächsstoff im DHB-Präsidium.

Dass ein halbwegs funktionierender, vor allem mit mehr Beteiligung laufender nationaler Senioren-Spielbetrieb auch eine belebende Auswirkung auf die Besetzung der Auswahlmannschaften mit dem Bundesadler auf der Brust hätte, leuchtet ein. Spitze durch Breite.

Seine Gedanken zu Mitgliedergewinnung und nationalem Spielbetrieb hat Thomas Rochlitz in einem Rundschreiben an die „lieben Hockeyfreunde reiferen Alters“ kürzlich zu Papier gebracht.