Weltmeisterschaften im Seniorenhockey (über 60 Jahre) in Den Haag

Fr. 27.06.2014 - 14:00 -- Hans-Joachim Heinz
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Erstmals seit der Einführung der Weltmeisterschaften im Veteranenhockey im Jahr 2002 ist das „Team Germany Ü60“ mit gleich drei vierten Plätzen bei der 7. Auflage in Den Haag ohne Medaille geblieben (wir berichteten in der vergangenen Woche). Was auf den ersten Blick enttäuschend wirkt, stellt sich bei näherem Hinsehen durchaus als „ehrenvoll und angemessen“ dar, wie es der Sportmanager der Dachorganisation der Ü60-, Ü65- und Ü70-Nationalmannschaften des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), Dr. Hans-Werner Schrader, formuliert. Man sei damit weiterhin im „Kanon der vermeintlich vier großen (Senioren-) Hockey-Nationen Australien, England, Niederlande und eben Deutschland vertreten. „Bei genauerer Betrachtung der Zahl der Aktiven in den jeweiligen Alterssegmenten ist das gerade für unsere wenigen Aktiven ein richtig großer Erfolg“, betonte Schrader.

Unübersehbar ist allerdings auch, dass sich mit Australien, England, Niederlande die anderen drei die Medaillen aufteilten, für Deutschland blieb von den Gegnern lediglich das zumeist sogar ehrlich gemeinte Lob, sich weiterentwickelt zu haben. Doch um wieder ganz nach vorne zu kommen, sind nicht nur die Verantwortlichen des „Team Germany Ü60“ selbst gefragt – mit dem von Developmentmanager Thomas Rochlitz ins Leben gerufenen Regio-Cup wurde ein erster Schritt getan –, auch der DHB sollte sich nicht wie bisher bedeckt halten. Es war zwar eine schöne Geste, dass DHB-Präsident Stephan Abel vor Ort beim HC Klein Zwitserland sein Interesse am Veteranenhockey signalisierte, doch es muss einfach mehr vom Dachverband kommen. Und damit sind keineswegs Kostenbeteiligungen gemeint – die steuert jeder Teilnehmer sowieso aus eigener Tasche bei –, sondern es gilt für diesen Leistungsbereich im Freizeitsport entsprechende Strukturen wie etwa die Einführung eines regionalen Spielverkehrs oder in Form eines Länderpokals zu schaffen und somit den offiziellen Part zu übernehmen. Australier und Engländer haben noch regelmäßig Wettkämpfe, die Niederlande kommen – natürlich bedingt durch die geringen Entfernungen in ihrem Land – alle zwei bis drei Wochen zusammen und können sich auf diese Weise die Spielpraxis erarbeiten, die neben der Physis und Athletik in engen Spielen entscheidend sein kann.

Eines anderen Problems sollte sich indes die neue Führung der World Grand Masters Association (WGMA) um den beim Kongress in Wassenaar gewählten neuen WGMA-Präsidenten Wim van Noortwijk (Niederlande) – Peter Child (München) wurde nach zehnjähriger Amtszeit als beratender Past-Präsident ins Gremium gewählt – annehmen. Es ist aus sportmedizinischer Sicht ein Unding, dass, wie etwa bei der deutschen Ü60 geschehen, der Spielplan sieben Spiele in acht Tagen vorsieht. Die zahlreichen Muskelverletzungen – ein Grippevirus hatte einen Teil der Teams zusätzlich im Griff, übrigens nicht nur der Deutschen – sind der Beweis dafür, dass hier dringend Abhilfe geschaffen werden muss.

Daher konnten die Betroffenen auch nur teilweise schätzen, dass die Gastgeber eine auf insgesamt rund 1200 Teilnehmer ausgelegte logistische Herausforderung bestens meisterten, am Rande der Plätze stets gute Stimmung herrschte, eine perfekte Beach Party am Strand von Scheveningen organisiert wurde, mit 56 Teams heuer ein Rekordteilnehmerfeld zusammengekommen war, erstmals drei Damenteams über 60 Jahre und sogar vier Teams über 75 Jahre dabei waren. Drei kamen dabei – wie sollte es anders sein – aus Australien, England und den Niederlanden, im vierten, der Alliance, einem Zusammenschluss von Akteuren aus aller Welt, spielten mit Wolff Aichinger (78), Hans Brandes (82) und Didi Wolter (81) drei Deutsche mit. Wobei letzterer dem japanischen Arzt, der ihm bei der WM vor zwei Jahren in Oxford auf dem Platz das Leben gerettet hatte, seine damals errungene Bronzemedaille überreichte.

Mit Henrike Althoff (Detmold) wurde übrigens bei einem gemeinsamen Grillabend des „Team Germany Ü60“ eine Frau verabschiedet, die als Physiotherapeutin acht Jahre lang tolle Arbeit geleistet hat und sich auf eigenen Wunsch nun zurückzieht. Und eine Auszeichnung gab’s für einen Deutschen schließlich auch noch. Torwart Bernd Wolf (TSG Rohrbach-Heidelberg) von der Ü65 wurde zum besten Keeper seiner Altersklasse gewählt.

Die nächste Herausforderung für das „Team Germany Ü60“ wird dann die Europameisterschaft im kommenden Jahr im August in London sein.

Ü60 A: Hans-Gerd Bachmann (Uhlenhorst Mülheim), Thomas Bauer (Düsseldorfer HC), Lothar Berger (HTC SW Bonn), Michael Gesche (UHC Hamburg), Nico Giercke (UHC Hamburg), Günther Gudert (TTK Sachsenwald), Hans-Joachim Heinz (Mannheimer HC), Wolfgang Hillmann (SW Köln), Dr. Harry Hölzer (ETSV Offenburg), Uwe Kließ (Club Raffelberg), Michael Müllges (SW Neuss), Thomas Reggelin (MSV Börde), Dieter Riehn (Düsseldorfer SC 99), Dr. Hans-Werner Schrader (Club an der Alster), Ralf Steikowsky (TSV Buchholz), Martin Stock (Braunschweiger THC), Manfred Teichelkamp (Club Raffelberg), Egbert Wilms (SW Neuss). Trainer Thomas Dauner, Co-Trainer Christian Dechant, Manager Wolf-Dieter Haupt, Physio Kerstin Sandrock.

Ü60 B („Trophy-Team“): Peter Barber (TSV Buchholz), Hans-Jürgen Blödgen-Mittelstädt (Klipper Hamburg), Claus Hartmann (Marienthaler THC), Wolf-Michael Haupt (KSV Baunatal), Uwe Heldewig (Harvestehuder THC), Heinz Käsche (ATSV Güstrow), Hans-Jürgen Kraffzick (SG Rotation Prenzlauer Berg), Miroslaw Manka (Münchner SC), Hans-Jürgen Matejka (HTC Leipzig Südost), Matthias Mayer (HC Gernsbach), Hans-Peter Müller (HC Königs Wusterhausen), Willi Paßen (Club Raffelberg), Terence Pottle (UHC Hamburg), Stephen Winnall (HC Konstanz), Dr. Martin Zschiesche (TB Erlangen). Trainer Achim Mertens, Physio Kerstin Sandrock.

Ü65: Werner Beese (Braunschweiger THC), Gerhard Bobaz (Eintracht Celle), Uli Brauns (SV Blankenese), Erhard Breier (MSV Börde), Wolfgang Engelhard (THK Rissen), Helmut Friedrich (Braunschweiger THC), Herbert Gottwald (DHC Hannover), Günter Heinemann (Klipper Hamburg), Kurt Layer (HC Heidelberg), Arved Lunau-Mierke (Harvestehuder THC), Ronald Rammelt (MSV Börde), Thomas Rochlitz (HC Lüneburg), Hans-Peter Schmidt (Großflottbeker THGC), Gerd Schürfeld (Club Raffelberg), Helmut Trentmann (Hannover 78), Uli Vos (Gladbacher HTC), Bernd Wolf (TSG Rohrbach), Dr. Thomas Zapp (BW Berlin). Spielertrainer: Werner Beese und Uli Brauns, Coach Peter Rollinger, Manager Christian Sanner, Physio: Henrike Althoff.

Ü70: Peter Child (Münchner SC), Heinz-Werner Duckstein (THK Rissen), Edgar Feil (Goslarer SC), Hans-Werner Frühauf (TSV Bemerode), Rainer Grundmann (DHC Hannover), Dr. Horst Klönne (Club Raffelberg), Giesbert Kurzbach (HC Argo 04), Gerold Quinger (Post SV Chemnitz), Klaus Redeker (ESV Dresden), Hans-Dietrich Sasse (ATV Leipzig), Manfred Schaarschmidt (HCLG Leipzig), Heinz Schwedhelm (DSD Düsseldorf), Dierk Seibt (TG Heimfeld), Jürgen Sobczak-Schütte (Eintracht Dortmund), Dr. Albert-Hugo Stinnes (HTC Stuttgarter Kickers), Eckardt Wallossek (HCLG Leipzig), Horst-Jürgen Wengenroth (UHC Hamburg), Hinrich Wolff (Großflottbeker THGC). Trainer: Dr. Heini Kruse, Manager Hans-Jürgen Fortmüller, Physio Henrike Althoff.